Am 15. Juli 1901 richtete der Weingroßhändler Paul Fischer, wohnhaft Marktplatz 12, in seiner Eigenschaft als Obmann des „Perchtoldsdorfer Sportklubs“ und Mitglied des „Perchtoldsdorfer Verschönerungsvereins“, folgendes Schreiben an das „Löbliche Bürgermeisteramt des ldsf. (landesfürstlichen) Marktes Perchtoldsdorf“ unter dem damaligen Bürgermeister Johann Reicher:

„Der Lawn-Tennisclub in Perchtoldsdorf beabsichtigt auf dem, der löbl. Gemeinde gehörigen, und in entgegenkommender Weise angemieteten Grund im Begrischpark, einen Spielplatz nebst Ankleide und Zuschauer Raum zu errichten und bittet Einem löblichen Gemeinde- Vorstand um die hiezu nöthige Bewilligung; und gleichzeitig vom Beginn dieser Arbeiten gefälligste Kenntniss nehmen zu wollen“

Achtungsvoll
Paul Fischer
Obmann des Klubs

Zwei Tage später bittet Paul Fischer die Gemeinde um „gütige Bewilligung“ des von Baumeister Johann Marz eingereichten Entwurfes mit zwei Rasenspielplätzen nach englischem Vorbild samt Klubhaus in Holzkonstruktion. Nach Überprüfung durch den Gemeindesachverständigen Baumeister Josef Mochal erging am 24. Juli 1901 ein positiver Bescheid. Ob die Plätze je in Rasenform angelegt wurden, konnte leider nicht eruiert werden. Österreichweit gab es zu dieser Zeit erst 16 Tennisklubs, davon fünf in Niederösterreich.

Klubhaus

 

 

 

 

 

 

Am 9. August 1901 zeigen Dr. Robert Davy, Dr. Emanuel Gorlitzer (Gemeindearzt. Gorlitzergasse!), Adolf Heizer, Albin von Manussi-Montesole, Paul Fischer, Lois von Haun, Franz Klapetz, Josef Werunsky und Leopold Wittenberg als Proponenten des „Perchtoldsdorfer Sportklubs“ der „hohen k.k. NÖ Statthalterei“ die beabsichtigte Gründung eines nichtpolitischen Vereines an.
Da dies vom Amt der Landesregierung mit Bescheid Nr. 73926 vom 13. August 1901‚ nicht untersagt wurde, gilt dies als Geburtsstunde des Vereins. In einer Mitgliederliste von 1908, wo nach Installation einer Wasserleitung auch der Eislaufbetrieb aufgenommen wurde, scheint als Ehrenpräsident der k.k. Bezirkshauptmann von Hietzing-Umgebung, Moritz Zander (Zandergasse) auf, offensichtlich ein begeisterter Tennisspieler. Weiters gibt es 48 ordentliche und zwei Ehrenmitglieder sowie 19 unterstützende Mitglieder. Bereits in den Zwanzigerjahren gab es rege Spieltätigkeit in Form von Wettspielen und Turnieren, der Mitgliederstand hatte sich 1923 auf 94 erhöht. Wie dem Protokoll vom 11. September 1923 zu entnehmen ist, waren schon damals die Generalversammlungen eher schwach besucht. Ein Grund dafür dürfte gewesen sein, dass die Mitglieder großteils nur den Sommer über in Perchtoldsdorf wohnten. Ab 1924 standen dann vier Plätze zur Verfügung.

Turnier_Berndorf

 

 

 

 

 

 

Die schlechte Wirtschaftslage in den Dreißigerjahren ging auch am Perchtoldsdorfer Sportklub nicht spurlos vorüber, der Spielbetrieb war stark eingeschränkt. Ab 1938 unterstand der Verein durch die Eingemeindung nach Wien der „Fachstelle für Gartenwesen“ bei der Wiener Magistratsabteilung 38. Die damalige Gemeindeverwaltung wollte die Pacht nur dann verlängern, „wenn die Mitglieder arischer Abstammung sind“. Ab 1943 kam der Spielbetrieb fast zum Erliegen. Es spielten nur mehr Jugendliche und es gab keine Bälle mehr. So wurde mit den verbliebenen so lange gespielt, bis der Filz kaputt war. Dann wurde dieser abgezogen und mit der Gummieinlage weitergespielt. In den letzten Kriegstagen wurde die Tennisanlage von „Stalinorgeln“ beschädigt, im darauffolgenden Winter fiel das hölzerne Klubhaus dem Brennstoffmangel zum Opfer – es wurde zerlegt und verheizt. Die russischen Besatzer benutzten die Anlage gleichfalls sportlich, doch auf ihre Weise, sie spielten Faustball. Den Einheimischen blieb sie vorerst verschlossen.

Am 23. September 1946 stellten der spätere Obmann Oskar Boote, Ludwig Gottschall, Dr. Gustav und Grete Neumann, Hermine Wagner, Lilli Sladky, Dr. Hans Geith, Heinz Dobinger und Elfriede Ziskovsky
einen von Schriftführer Ing. Egon Kaniak verfassten Antrag an den Sicherheitsdirektor von NÖ zwecks Neugründung des Perchtoldsdorfer Sportklubs. Am 16. November 1946 wurde Dipl-lng. Erich von Stiotta zum Obmann gewählt. Die weiteren Vorstandsmitglieder mussten die eidesstattliche Erklärung abgeben, keiner Organisation der NSDAP angehört zu haben.

Bei einer Soire am 4. Februar 1947 im Mahagonisaal des Gasthauses Weinlich (heute Cafe Eisenböckhof) in der Wienergasse wirkten namhafte Künstler wie Hermann Leopoldi, Heinz Conrads, Franz Zellweckervund das Charly-Oberleitner-Sextett mit. Die Einnahmen stellten das Grundkapital für die Wiederaufnahme des Spielbetriebes dar. Endlich konnte im Mai 1948 der Spielbetrieb wenigstens auf zwei Plätzen wieder aufgenommen werden, die verschwundene Walze und das (damals wichtige) „Linienwagerl“ waren wieder aufgefunden worden. Um den ständigen Verwechslungen mit dem gleichnamigen Fussballverein „Sportklub Perchtoldsdorf“ ein Ende zu setzen, wurde am 26. Mai 1950 der Vereinsname in den heute noch gültigen Namen „Perchtoldsdorfer Tennisklub“ (PTK) abgeändert. Im November 1955 erging das erste Ansuchen an die Gemeinde betreffend den Bau eines 5. Platzes und um die Begradigung des 1. Platzes. Elf Jahre später erhielt der Klub die Bewilligung für den 5. Platz sowie die Errichtung eines neuen Klubhauses. Doch für die Begradigung des 1. Platzes – es handelt sich lediglich um einige Quadratmeter – wurde bis heute noch keine Bewilligung erteilt. (Das wäre doch ein „Jahrhundert Geschenk“ durch die Marktgemeinde???)
1961 zählte der Verein bereits 145 Mitglieder. Unter der Präsidentschaft von Unix-Prof. Dr. Wilhelm Fleischhacker wurden der neue Platz und das neue Klubhaus 1967 fertiggestellt – ohne Subventionen, aus eigenen Mitteln. Zahlreiche Mitglieder gewährten dem Klub dafür zinsenlose Darlehen als Zeichen ihrer Verbundenheit. Abrissklubhaus1971 wurde ein Geräteraum errichtet, die Herrengarderobe erweitert
und ein Raum für den Platzwart geschaffen. 1977 wurde der Klubraum neu ausgestaltet. Damit wurden die Voraussetzungen für die Wiederaufnahme der vorherigen Turniertradition geschaffen.
Anfangs der Neunziger-Jahre erfolgte dann die Sanierung und Neueinrichtung des Klubhauses sowie die Errichtung eines neuen Kanals vom Klubhaus durch den Begrischpark. 1995 leitete Arch. Robert Wall die Neugestaltung der Duschanlagen, der Wasseraufbereitung, der Fußböden und das Ausmalen der Räumlichkeiten. 1999-2000 zeichnete DI Franz Gayer für die komplette Renovierung des Klubhauses inklusive Heizung, Entlüftung und Möblierung verantwortlich. Auch eine Besprengungsanlage war in der Zwischenzeit errichtet worden.

Partnerschaften und Freundschaften

1981, beim 80-jährigen Bestehen, zählte der PTK bereits 235 Mitglieder. Auch die seit 1973 bestehende Partnerschaft mit Donauwörth trug (Tennis-)Früchte: Der PTK mit Obmann Ing. Gerhard Boote und der TC DonauwörthDonauwörth unter der Leitung von Kurt Benedicter waren die ersten Vereine, die einander auf sportlicher Ebene trafen und Freundschaftsspiele austrugen – noch vor Unterzeichnung der offiziellen Partnerschaftsurkunde zwischen den Bürgermeistern DI Paul Katzberger und Dr. Alfred Böswald! Eine Freundschaft, die alle zwei Jahre mit gegenseitigen Besuchen bekräftigt wird. Auch mit dem Tennisklub Kapfenberg entwickelten sich freundschaftliche Bande, wobei der dortige Obmann Hans Kissich und der unvergessliche Hans Scheidl die Fäden bzw. Saiten zogen.

fussballmatch Legendäre jährliche Fußballmatches gab es ab 1984 auch zwischen dem PTK und den Wiener Philharmonikern, um die sich Hans Scheidl und der leider allzu früh verstorbene philharmonische Geiger Christian Zalodek bemühten.

 

 

Sportliche Höhepunkte der vergangenen Jahrzehnte

In den „Zwanzigern“ waren Dr. Gustav Schwab (Obmann von 1915 bis 1924) und Ing. Fritsche herausragende Spielerpersönlichkeiten, später folgten Ing. Biro und Dr. Eber. In den „Dreißigern“ stand mit den Damen Mohr, Withofner, Hoffmann, Martini und Raab eine starke Mannschaft für die oberste Spielklasse zur Verfügung. Damen_1937

In den Fünfziger-Jahren war eine schlagkräftige Jugendmannschaft (Boote., F. und W. Spazierer, Fleischhacker, H. Dobinger, Kaniak, Machata, Wolczik) entstanden, die gute Platzierungen bei Turnieren erreichte und sehr bald die 1. Kampfmannschaft bildete. 1961 steigt die 1. Herrenmannschaft mit G. Fleischmann, Fleischhacker, Goldschmied, Ploner, Krötlinger, Zalodek, W. Cerny und Boote in die höchste Wiener Liga auf, doch leider nur für kurze Zeit. Benno Planer gewann Turniere in Gars und Wr. Neustadt, Oskar Heider das PTK-Turnier 1971.

1971 erfolgt mit der Mannschaft Heider, Ploner, H. und W. Schwaiger, W. Gaa, Boote und Junior Brestak der Wiederaufstieg in die oberste Wiener Liga. 1974 wird die Jugend (S. Posen. Jäger, Müller, R. Karall) Gruppensieger und W. Schwaiger/Garaguly wurden Sieger des Doppelfinales beim PTK-Turnier. 1979 wurden Heider/Jäger Wiener Landesmeister im Doppel. 1980 und 1984 wird die 1. Herrenmannschaft Meister in der 1. Klasse.

1984 steigen die Senioren in die 1. Klasse auf, werden 1987, 1988, 1989 Landesmeister und 1987 drittbeste Mannschaft in Österreich. 1988 wird die Seniorenmannschaft mit Ploner, H. und W. Schwaiger, Kobale. Leonhardt und Pürstinger sogar Vizemeister von Österreich!

Internationale Turniere

Die bis vor einigen Jahren veranstalteten internationalen Turniere erfreuten sich größter Beliebtheit. In den Siegerlisten finden sich große Namen wie Letcher, Kukal, Feigl, Wimmer, Pils und Muster.
Wie aus einem Bericht des langiährigen Turnierleiters W. Schwaiger hervorgeht, benahmen sich die Stars keineswegs immer „Muster“gültig: So erfolgte die Bezahlung des Nenngeldes schleppend
oder wurde überhaupt abgelehnt. Muster

Einige Spieler benehmen sich innerhalb und außerhalb des Spielfeldes derart skandalös, dass es zu massiven Protesten der Mitglieder und Zuschauer führte. Schimpfworte, Spucken und Schläger
schmeißen vergällte den Veranstaltern die Ausrichtung weiterer internationaler Turniere. Geschichte

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